Netflix, Disney+ und andere große Streaming-Dienste stehen in Großbritannien vor strengeren Kontrollen
- Die britische Medienaufsicht Ofcom erhält mehr Befugnisse über Netflix und andere Streaming Services.
- Neue Vorschriften verlangen mehr Barrierefreiheit: 80% des Angebots sollen untertitelt werden, 10% Audio-Beschreibungen und 5% Gebärdensprache enthalten.
- Teilnehmer betrifft u.a. Netflix, Disney+, Prime Video, ITVX, Channel 4 und mehr als 20 weitere Plattformen.
- Die Maßnahmen orientieren sich am Konsumverhalten – 85% der Briten nutzen monatlich Video-on-Demand.
- Strafen für Verstöße bis zu 250.000 Pfund oder 5% des Umsatzes pro Verstoß möglich.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Was verändert sich bei Netflix & Co.?
- Hintergrund: Neue Vorschriften für Streaming Services
- Wichtige Details der UK-Regeln
- Chancen und Risiken der Regulierung
- Fazit & Ausblick
Einleitung: Was verändert sich bei Netflix & Co.?
Die Welt der Streaming-Dienste ist im Wandel – und Netflix steht als führender Anbieter im Fokus: Großbritannien hat beschlossen, die großen Streaming Services wie Netflix, Disney+, Prime Video und andere unter strengere staatliche Aufsicht zu stellen. Dies betrifft vor allem Plattformen, die monatlich über 500.000 britische Zuschauer anziehen. Die Änderungen sind Teil des Media Act 2024 und zielen darauf ab, Video-on-Demand (VOD) Anbieter und klassische Fernsehsender wie die BBC oder ITV gleichzubehandeln.
„Mit dem neuen Ofcom-geführten Regelwerk können sich alle Zuschauenden in Großbritannien darauf verlassen, dass Streaming Services wie Netflix künftig die gleichen Standards erfüllen müssen wie traditionelle Rundfunkanbieter."
Hintergrund: Neue Vorschriften für Streaming Services
Warum jetzt? Laut der britischen Regierung nutzen mittlerweile rund 85% der Bevölkerung monatlich eine On-Demand-Plattform – ein Anstieg, den die Pandemie und der Siegeszug von Netflix & Co. noch beschleunigt haben. Zahlen zeigen:
- Zwei Drittel aller britischen Haushalte haben ein Streaming-Abo für Netflix, Prime Video oder Disney+.
- Die klassische Fernsehnutzung nimmt ab, während VOD massiv wächst.
Was umfasst die neue Regulierung?
- Plattformen werden in so genannte Tier-1-Dienste klassifiziert, sobald sie monatlich mehr als 500.000 Nutzer in Großbritannien haben.
- Die britische Medienaufsicht Ofcom überwacht jetzt diese Anbieter direkt – darunter Netflix, Prime Video, Disney+ und weitere.
- Ziel: Anbieter müssen dieselben Regeln in Bezug auf Informationssicherheit, Unparteilichkeit und Schutz vor schädlichen Inhalten einhalten wie öffentliche Sender.
Ausnahmen & Erweiterungen
- BBC iPlayer bleibt zunächst ausgenommen, da er bereits durch den Broadcasting Code reguliert wird. Die Regierung plant, das zu ändern.
- Videoportale wie YouTube sind nur in bestimmten Fällen betroffen und fallen größtenteils unter das Online Safety Act.
Wichtige Details der UK-Regeln
Das neue Gesetz bringt für Netflix und vergleichbare Dienste klare, messbare Zielvorgaben und Pflichten.
Transparenz und Kontrolle
- Ofcom kann Beschwerden von Zuschauern zu Inhalten bearbeiten und Untersuchungen einleiten.
- Bei Regelverstößen drohen empfindliche Strafen: bis zu 250.000 £ oder 5% des relevanten Umsatzes pro Verstoß.
- Öffentliche Konsultation: Nutzer und Anbieter dürfen mitreden, wie der Standardkodex ausgestaltet wird.
- Über 20 VOD-Plattformen werden betroffen sein – ein eindeutiges Zeichen für einen branchenweiten Wandel.
Barrierefreiheit für alle Nutzer
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Barrierefreiheit:
- 80% der Inhalte müssen Untertitel bieten.
- 10% brauchen Audio-Deskription für Menschen mit Sehbeeinträchtigung.
- 5% müssen Gebärdensprache beinhalten.
- Die Umsetzung muss spätestens in vier Jahren abgeschlossen sein.
Diese Richtlinie gilt insbesondere für Tier-1-Plattformen wie Netflix, Prime Video und Disney+.
„Wir wollen, dass niemand zurückbleibt und alle die riesige Auswahl an Inhalten auf Video-on-Demand-Diensten genießen können.“ – Ian Murray, Medienminister
Chancen und Risiken der Regulierung
Für Nutzerinnen und Nutzer
Pluspunkte:
- Höhere Sicherheit und transparente Richtlinien bei Netflix und anderen.
- Verbesserte Barrierefreiheit bedeutet Zugang für Millionen weitere Zuschauer.
- Mehr Möglichkeiten, etwa über Beschwerden direkt Einfluss zu nehmen.
Herausforderungen:
- Einige befürchten längere Wartezeiten bis neue Inhalte barrierefrei bereitstehen.
- Möglicherweise Preisanstieg, sollten Kosten auf die Nutzer abgewälzt werden.
Für die Anbieter
- Mehr Bürokratie und Regulierungsaufwand für Netflix, Prime Video & Co.
- Erforderliche Anpassung von Systemen und Workflows, etwa für Untertitel und Audiodeskriptionen.
- Gefahr von abweichenden Regularien zwischen Ländern – beispielsweise ist Netflix in Großbritannien bisher vom niederländischen Regulator beaufsichtigt.
Fazit & Ausblick
Die neuen Vorschriften markieren einen wichtigen Wendepunkt für Streaming Services in Großbritannien. Netflix sowie Disney+, Prime Video und andere VOD-Plattformen müssen ihre Arbeitsweise und ihre Kataloge an die erhöhten Standards und die Barrierefreiheit anpassen. Auch wenn kurzfristig Herausforderungen bestehen, profitieren langfristig alle Nutzer von mehr Transparenz, Sicherheit und Inklusion.
Eines bleibt spannend: Wie werden Netflix und die anderen Global Player die neuen Regeln umsetzen? Und: Werden ähnliche Regelungen auch in anderen Ländern Schule machen? Sicher ist nur eines – die Zeit, in der Streaming-Pioniere wie Netflix fast unreguliert agieren konnten, endet nun auch in Großbritannien.
Weitere Quellen & tiefergehende Insights: Engadget-Artikel